Dienstag, 3. Januar 2017

Proktologie: Basisdiagnostik I

Anamnese

Die proktologische Basisdiagnostik setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Zunächst wird die Anamnese erhoben, d. h. Sie berichten von Ihren Beschwerden. Dabei sollten Sie aus Scham keine Beschwerden bagatellisieren oder gar verschweigen, da fehlende richtungsweisende Symptome die Diagnosestellung erschweren. Der Proktologe wird Ihnen sicher auch Fragen stellen, nämlich nach Blut- oder Schleimabgängen, nach Schmerzen, Juckreiz, Stuhl- und Urin-Halteschwäche (Inkontinenz), Ihren Stuhlgewohnheiten, frühere operative Eingriffe in der Analregion und bei Frauen nach Geburten.

Klinische Untersuchung

Nächster Baustein ist die klinische oder körperliche Untersuchung bestehend aus der Inspektion, also Betrachtung der Analregion, der Untersuchung des Analkanals mit dem eingeführten Finger und die Untersuchung mit Spiegelungsgeräten. Ein guter Arzt erklärt natürlich vorab wie die Untersuchungen erfolgen.
Damit die Analregion für eine Untersuchung zugänglich wird, ist für den Patienten die Einnahme einer bestimmten Position erforderlich. Je nach Erfahrung und „Vorliebe“ des Untersuchers wird es eine der drei folgenden sein:

Knie-Ellenbogen-Position: Der Patient kniet auf einer Untersuchungsliege und stützt sich mit den Ellenbogen ab.



Steinschnittlage: Der Patient liegt mit dem Rücken auf einem speziellen Untersuchungstisch, die Beine sind in den Knien abgewinkelt und werden durch eine besondere Halterungsvorrichtung beidseitig abgestützt. Entspricht der Position bei einer gynäkologischen Untersuchung.

Linksseitenlage: der Patient liegt auf der linken Körperseite und zieht die Beine rechtwinklig an.



Diese Positionen sind auch bei den instrumentellen Untersuchungen des Enddarms erforderlich.

Die Pobacken werden vom Untersucher ein wenig gespreizt, so dass er bei der Inspektion Hautveränderungen, Schwellungen, Narben oder sonstige Anomalien erkennen kann. In der Regel wird der Patient während der Inspektion aufgefordert, wie zum Stuhlgang zu pressen, wodurch evtl. vorhandene innere Hämorrhoiden hervortreten

Rektal-digitale Untersuchung

Nächster Schritt ist die rektal-digitale Untersuchung. Hierzu trägt der Untersucher einen Einmalhandschuhe oder streift einen Fingerling über, der mit Gleitmittel versehen wird. Die Untersuchung ist zwar unangenehm und kann Stuhldrang auslösen, ist aber nicht schmerzhaft. Während des Einführens des Fingers muss der Patient nochmals pressen, da dadurch der Schließmuskel erschlafft und der Finger mühelos eingeführt werden kann. 



Beurteilt wird der Tonus des Schließmuskels und durch eine 360°-Drehung des Fingers die Schleimhaut des gesamten Analkanals. Hierbei können beispielsweise Tumoren und Geschwüre getastet werden. Dreht der Untersucher den Finger nach „hinten“ Richtung Steißbein und fordert den Patienten zum Zusammenkneifen des Schließmuskels auf, so kann auch die  Funktion des Schließmuskels geprüft werden, denn durch das Zusammenkneifen wird der Finger ein wenig Richtung Nabel bewegt, vorausgesetzt der Schließmuskel ist intakt.

Bei Frauen sollte bei der Palpation nach vorne Richtung Bauch durch die Analkanalwand der Gebärmuttermund getastet werden; bei Männern kann die Prostata getastet werden, was allerdings etwas unangenehm ist und Harndrang auslösen kann. Nach dem Zurückziehen des eingeführten Fingers sollte der Untersucher einen kurzen Blick darauf werfen: Schleimspuren? Blut?




  

Montag, 2. Januar 2017

Proktologie: Basisdiagnostik II

Proktoskopie


Jeder Patient mit proktologischen Beschwerden benötigt eine Spiegelung des Analkanals und des unteren Rektums, eine sog. Proktoskopie. Dabei wird ein Proktoskop, d.h. ein ca. 10 bis 15 cm langes röhrenförmiges Instrument aus Metall oder Kunststoff mit Gleitmittel versehen und in den Analkanal eingeführt. Der Durchmesser des Geräts beträgt bei Erwachsenen üblicherweise 1,5 bis 2 cm. Die Geräte besitzen eine kleine eingebaute Lichtquelle, so dass der Untersucher beim Hindurchblicken die Schleimhaut des Analkanals und des unteren Rektums betrachten kann. Sie ist normalerweise glatt-glänzend und leicht rosafarben.

Proktoskop


Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und einige Veränderungen können auch gleich behandelt werden (z.B. Verödung von Hämorrhoiden). Bei sachgerechter Durchführung ist eine Proktoskopie zwar unangenehm, jedoch nicht schmerzhaft. Komplikationen sind bei einer reinen Spiegelung nicht bekannt. Die Vorbereitung zur Proktoskopie ist relativ einfach. Sollte bei der vorangegangen rektal-digitalen Untersuchung der Analkanal „leer“ sein, weil der Patient kurz zuvor Stuhlgang hatte, ist keine weitere Vorbereitung erforderlich. Sollte noch Stuhl vorhanden sein, erhält der Patient ein Abführ-Zäpfchen oder ein Mini-Klistier, was innerhalb 15 bis 30 Minuten eine Darmentleerung bewirkt.

 
Rektoskopie 

Sollten sich die proktologischen Beschwerden mittels Proktoskopie nicht klären lassen ist eine Rektoskopie erforderlich. Für diese Untersuchung wird in der Regel ein starres Spiegelungsgerät von ca. 20 bis 30 cm Länge und einem Durchmesser von 2 cm unter Sicht eingeführt. Im Gegensatz zur Proktoskopie muss während der Untersuchung über das Gerät Luft insuffliert werden, damit sich die Schleimhaut entfaltet und keine krankhaften Veränderungen übersehen werden. Die Untersuchung dauert etwa 5 bis 10 Minuten. Sie wird häufig als unangenehm empfunden und kann gelegentlich auch etwas schmerzhaft sein, besonders durch die eingeblasene Luft, die durch die Dehnung des Enddarmes starke Blähungen verursachen kann. 

Rektoskop


Die Vorbereitung zur Untersuchung entspricht der zur Proktoskopie, also ein Mini-Klistier oder Abführ-Zäpfchen vorab. Die früher üblichen „Reinigungseinläufe“ werden nicht mehr durchgeführt. In der Hand eines erfahrenen Untersuchers läuft eine Rektoskopie problemlos ab. Bei nicht sachgemäßer Handhabung oder allzu forschem Vorgehen können in ungünstigen Fällen, z.B. bei Vorschädigung des Darms durch Entzündungen, Darmperforationen auftreten, die eine sofortige operative Versorgung des „Lochs“ erfordern. Die Gefahr einer derartigen Komplikation ist jedoch sehr gering.

Dienstag, 8. November 2016

"Stuhlschau"

Den Stuhl zu inspizieren ist keine beliebte Aufgabe, kann aber wertvolle Hinweise auf Erkrankungen  liefern. 

Besondere Stuhlformen: 

Teerstuhl (Melaena): schwarzer, klebriger Stuhl. Kommt vor bei größeren Blutungen in den oberen Abschnitten des Verdauungstraktes, z.B. bei Blutungen aus Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm. Das Blut ist nicht mehr rot, da es den unteren Darmabschnitten verdaut wird. Falls Sie jetzt beunruhigt sein sollten: Teerstuhl ist nicht einfach nur „sehr dunkel“, er ist pechschwarz!

Blutstuhl: roter o. rötlicher Stuhl. Kommt vor bei Blutungen aus dem unteren Darmabschnitten (Dickdarm, Enddarm); ursächlich können sein: Tumoren, schwere Entzündungen und Durchfälle. Aufgelagertes Blut kann von Hämorrhoiden stammen.

Gärungsstuhl: große Stuhlmenge, schaumig, riecht scharf. Entsteht, wenn die Kohlenhydrate der Nahrung im oberen Darmabschnitt nicht verdauet werden können und in den unteren Darmabschnitten von den Darmbakterien abgebaut werden. Ursächlich können eine zu große Kohlenhydratzufuhr sein (Zucker und Stärke aus Getreideprodukten, Kartoffeln, Mai, Reis) oder eine zu schnelle Darmpassage.

Fäulnisstuhl: faulig stinkender, eher flüssiger Stuhl. Entsteht durch mangelhafte Verdauung der Eiweiße in unserer Nahrung, z.B. bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. 

Fettstuhl (Steatorrhoe): lehmartiger, klebriger, glänzender Stuhl, scharf riechend. Kommt vor, wenn das Fett in unserer Nahrung nicht vollständig verdaut werden kann.

Acholischer Stuhl: weißer bis grauweißer Stuhl. Entsteht, wenn die Gallensekrete den Darm nicht erreichen können, z.B. durch Tumoren oder Gallensteine, die den Gallengang verschließen.

Reiswasserstuhl: mehlsuppenähnlicher, flüssiger Stuhl bei Cholera.

Himbeergeleeartiger Stuhl: breiig, schleimig, blutig bei Amöbenruhr.

Eitrig-jauchiger Stuhl: bei Eiterungen in unteren Darmabschnitten, z.B. Darmentzündungen, Parasitenbefall und fortgeschrittener Tumorbildung.



Stuhlfarben: 

gelbbraun: normal; je mehr Fleischnahrung, desto dunkler

schwarz: s.o. Teerstuhl; kann aber auch durch Medikamente ausgelöst werden (z.B. Eisenpräparate, Kohle bei Durchfällen, Wismutpräparate) sowie durch schwarze Kirschen, Brombeeren, Heidelbeeren und Rotwein.
rötlich bis rot: s.o.Blutstuhl; auch durch Rote Beete.

gelblich: normal bei Säuglingen, Durchfälle, Antibiotika-Einnahme.

grünlich bis grün: bei zu schneller Darmpassage z.B. bei Durchfall bleibt das Einfärben des Stuhls durch Sterkobilin (s.o.) aus, was den Stuhl grünlich erscheinen lassen kann. Auch bei Schädigung der Darmflora z.B. durch eine Antibiotikabehandlung kann der Stuhl grün bleiben. Harmlose Ursache ist die Aufnahme von ungekochtem Gemüse, viel Spinat oder Salat.

grauweiß bis gelbgrau: Schleim oder Eiter aus dem Darm

weiß bis grauweiß: bei Gallengangsverschlüssen und Problemen mit der Fett-Verdauung (Acholischer Stuhl bzw. Fettstuhl s.o.)

Hildegard von Bingen bei der Stuhlschau



Mittwoch, 8. Juni 2016

St. Fiakrius - ein vielseitiger Schutzpatron


In der großen Gemeinschaft der Heiligen gelten viele als „Spezialisten“, die in bestimmten Angelegenheiten angerufen werden, von denen Heilung bestimmter Krankheiten erfleht wird oder die zum Schutzpatron bestimmter Berufsstände wurden. Einer der unzähligen Heiligen, die als Mittler zwischen Gott und den Menschen angerufen werden, Fürbitte leisten, Trost und Hilfe spenden ist St. Fiakrius, der vor allem im mittelalterlichen Frankreich als Helfer bei anorektalen Beschwerden angerufen und verehrt wurde, denn seine Lebensgeschichte ließ ihn zum kompetenten Helfer bei Enddarmerkrankungen werden.

 


Geboren wurde Fiakrius um das Jahr 600 herum als einer der drei Söhne von Eugen IV., König der Skoten, einem irisch-keltischen Volksstamm im Nordwesten des heutigen Irlands. Der sorgfältig erzogene Fiakrius (auch Fevrus genannt, in Irland auch unter dem Namen Fiachre bekannt) fühlte sich wie viele junge Männer aus den Adelsgeschlechtern jener Zeit weniger von weltlichen Dingen angezogen als viel mehr von der Mystik der Religion. Er verließ seine Familie und zog nach Frankreich, wo er sich nahe Paris in der Diözese Meaux niederließ. Da er das Leben eines Einsiedlers führen wollte, schenkte ihm Bischof Faron ein Waldstück nahe des Dorfes Breuil-en-Brie (heute Saint-Fiacre-en-Brie), wo er sich der Meditation, dem Gebet und der Nächstenliebe hingab. Seine besondere Fürsorge galt Armen, Kranken und Schwachen. Der Aufforderung nach Irland zurückzukommen und die Nachfolge in der Herrschaft des Königreiches anzutreten, kam er nicht nach, denn längst hatte er sich zu einem Leben in der Nachfolge Christi entschieden: Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam. Immer mehr Hilfsbedürftige suchten ihn in seiner Einsiedelei auf, die später zu einem Kloster erweitert wurde. Es entstand ein kleiner Ort mit dem Namen Saint-Fiacre-en-Brie. St. Fiakrius starb am 30. August 670 friedlich eines natürlichen Todes.

Soweit die Fakten seiner Biographie, die wie bei nahezu allen Heiligen zur Erbauung der Gläubigen ausgeschmückt wurde. Es entstanden Legenden, in denen sich Verbindungen zu seinen Patronaten finden:

Als seine kleine Einsiedelei die Vielzahl der Hilfesuchenden nicht mehr fassen konnte, bat Fiakrius seinen Bischof um mehr Land. Der Bischof versprach ihm so viel Land, wie er an einem Tag mit einer Pflugfurche einzufassen vermochte. Er begab sich sofort an die Arbeit und nur mit der Hilfe eines Stockes gelang es ihm mühelos, einen ausgedehnten Graben auszuheben. Auf dem Stück Land baute er Gemüse und Obst an, um die vielen Hilfesuchenden zu versorgen. Einer anderen Legende nach habe er mit dem Stab nur den Boden berührt, woraufhin sich dieser sogleich in einen feinen Garten verwandelt habe. Aber es gab auch Neider, die ihn öffentlich der Zauberei beschuldigten, so dass Bischof Faron ihn zu sich bestellte. Vorher ließ er ihn jedoch mehrere Tage vor dem Kirchentor warten, die er geduldig auf einem großen Stein sitzend verbrachte. Der Stein war auf wundersame Weise immer nachgiebiger und weicher geworden und hatte schließlich den Abdruck seines Gesäßes angenommen. Dem Stein wurde bald die geheimnisvolle Kraft zugeschrieben, Beschwerden im Analbereich zu lindern: der Kranke musste sich lediglich auf den Stein setzen und war von den Leiden geheilt.

Fiakrius wurde jedoch nicht nur von Kranken und Hilfsbedürftigen verehrt; die wundersame Begebenheit um seinen Garten ließ ihn auch zum Schutzpatron der Bauern, Gärtner und Floristen werden. Eine Pflanze wurde nach ihm benannt - Kraut des heiligen Fiakrius („herbe de Saint Fiacre“) -, deren therapeutische Hilfe bei Gichtanfällen, Furunkeln und Hämorrhoiden unbestritten war.

Um das Jahr 1620 wurden in Paris die ersten Pferdedroschken vermietet, deren Standort die rue Saint-Martin vor dem „Hotel Saint Fiacre“, über dessen Eingang das Bildnis des Heiligen angebracht war. Fiakrius erhielt somit ein weiteres Patronat, er wurde Schutzherr der Lohnkutscher, die ihre Kutschen den Namen „Fiaker“ gaben.

Fiakrius wurde und wird auch heute noch von vielen Franzosen verehrt, was laut einem renommierten französischen Proktologen darauf zurückzuführen sein soll, dass die Franzosen sich seit jeher mit Enddarmerkrankungen herumplagen mussten, weil sie sich gerne überaßen und zu viel tranken wie schon ihre Vorfahren, die Gallier. Nicht umsonst wurde Fiakrius daher der Schutzpatron der Französischen Proktologischen Gesellschaft. Auch der Berufsverband der Deutschen Koloproktologen hat seine Darstellung in ihr Logo aufgenommen.

St. Fiakrius mit seinem berühmten Stein, der eine Eindellung aufweist. Man beachte die kleine Wunde auf seinem linken Oberschenkel; auch bei Hauterkrankungen wurde Fiakrius um Hilfe gebeten.

Dienstag, 28. September 2010

Proktologie: Zu welchem Arzt soll ich gehen?

Der wichtigste Ansprechpartner dürfte zunächst Ihr Hausarzt sein. Er kennt Sie und Ihre Vorerkrankungen, Ihre Medikamente und es besteht sicher ein Vertrauensverhältnis, denn sonst wäre er ja nicht Ihr Hausarzt. Sie brauchen sich nicht zu schämen, wenn Sie Ihre Beschwerden vortragen, denn aufgrund der Häufigkeit von Enddarm-Erkrankungen sind Sie wahrscheinlich nicht der erste Patient an diesem Tag, der mit ähnlichen Beschwerden ärztlichen Rat sucht. Außerdem geht es um Ihr Wohlbefinden und um Ihre Gesundheit und dafür sollten Sie alles tun!

Ein proktologisch versierter Hausarzt kann anhand der vorgetragenen Symptome in vielen Fällen schon eine Verdachtsdiagnose stellen. Es sollte sich dann eine Inspektion der Afterregion sowie unbedingt eine rektal-digitale Untersuchung anschließen, d.h. eine Untersuchung des Afterkanals mit dem eingeführten Finger. Hierbei können Veränderungen der Analkanal-Schleimhaut getastet werden. In vielen Fällen kann dann schon eine Diagnose gestellt und eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden.

Sollte Ihr Hausarzt nicht unbedingt proktologisch geschult sein, evtl. sogar die Minimaldiagnostik (Inspektion, rektal-digitale Untersuchung) unterlassen und Sie mit einem Zäpfchen- oder Salbenrezept wieder nach Hause schicken oder aber die Beschwerden unter der Therapie in angemessener Zeit nicht abklingen, dann sollten Sie sich an einen erfahreneren Mediziner wenden. Eine gute Adresse sind Ärzte mit der Zusatz-Weiterbildung „Proktologie“, die sich mit der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung und Rehabilitation von Erkrankungen, Verletzungen und Funktionsstörungen des Mastdarms, des Afters, der Beckenbodenmuskulatur, Geschlechtskrankheiten und Hauterkrankungen im Bereich der Analregion beschäftigen. Die Zusatzbezeichnung Proktologie kann nicht jeder Arzt erwerben, sondern nur Chirurgen, Hautärzte, Gynäkologen, Internisten, Allgemeinmediziner und Urologen. Die Weiterbildung zum Proktologen wird von der Ärztekammer überwacht (inkl. Prüfung) und wird nicht mal eben durch einen Wochenend-Kurs erworben. 

Die Suche nach einem Proktologen kann erfolgen durch Nachfragen beim Hausarzt oder bei Ihrer Krankenkasse, einen Blick ins Telefonbuch („Gelbe Seiten“) oder über das Internet. Hier empfehlen sich seriöse Websites, die eine Arztsuche-Funktion anbieten, z.B.



Image: renjith krishnan / FreeDigitalPhotos.net

Sonntag, 26. September 2010

Ägyptisches Blasrohrklistier

Mit dem Mund wird über ein Blasrohr eine Flüssigkeit in den Enddarm gepustet...
Der Gebrauch von Klistieren zur Durchführung von Darm-Entleerungen war im alten Ägypten sehr gebräuchlich da man glaubte, dass das Heraufbefördern von Darminhalt die Gesundheit zuträglich sei. Für die Durchführung der Klistieranwendungen gab es sogar spezielle Ärzte.

Sonntag, 19. September 2010

Bristol-Stuhlformen-Skala-Varianten

Für Kinder:


Nicht jugendfrei:



Für Perfektionisten:

PoopLog is a free application that allows you to track your bowel movements using the Bristol Stool Scale.

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PoopLog

Freitag, 17. September 2010

Die Bristol-Stuhlformen-Skala

Viele Menschen haben täglich Stuhlgang, die Häufigkeit kann bei gesunden Menschen jedoch von mehrfach täglich bis einige wenige Male wöchentlich variieren. Von Durchfall oder Verstopfung spricht man erst, wenn es zu deutlichen Abweichungen von der individuellen Stuhlgangs-Häufigkeit kommt.

Die Stuhl-Konsistenz kann ebenfalls von Mensch zu Mensch erheblich variieren, hängt vor allem aber von der aufgenommenen Nahrung ab und kann nach der Bristol-Stuhlformen-Skala bewertet werden. Diese Skala (englisch Bristol Stool Scale oder Chart) ist eine Tabelle zur Übersicht von Form und Beschaffenheit des menschlichen stuhls und wurde von Heaton und Lewis von der University of Bristol entwickelt. Sie ist ein diagnostisches Hilfsmittel, um die Dauer der Darmpassage beurteilen zu können, was wiederum Rückschlüsse auf bestimmte Erkrankungen zuläßt. Veröffentlicht wurde die Skala erstmals 1997 im Scandinavian Journal of Gastrenterology.

Nach der Skala werden sieben verschiedene Stuhltypen unterschieden, wobei die Passagezeit von Typ 1 (bis zu 100 Stunden) bis zu Typ 7 (ca. 10 Stunden) abnimmt.  Die Typen 1 und 2 weisen auf eine Verstopfung hin, die Typen 5 bis 7 auf Durchfall. Die Typen 3 und 4 gelten als „Idealstuhl“, der leicht auszuscheiden ist und auf keine Erkrankungen hinweist.


Die täglichen Stuhlgewichte liegen bei Europäern zwischen 100 und 200g, bei Vegetariern können es wegen des hohen Ballaststoff-Anteils in der Nahrung auch schon mal 350g werden. Es sind allerdings auch schon rekordverdächtige 1000g vorgekommen.

Der Hauptanteil des Stuhls sind Nahrungsbestandteile, die wir nicht verdaut bekommen, Darmschleimhautzellen und Verdauungssäfte sowie bis zu 30% Bakterien. Die mit der Nahrung zugeführten Fette werden durch die Sekrete der Gallenblase und Bauchspeicheldrüse aufbereitet und zerkleinert, damit sie über die Darmwand aufgenommen werden können. Normalerweise beträgt die Fett-Ausscheidung mit dem Stuhl nicht mehr als 7g pro Tag.

 Die typisch braune Farbe entsteht durch Sterkobilin, das ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs ist (Hämoglobin). Die Farbe des Stuhls wird jedoch auch durch die aufgenommene Nahrung bzw. Flüssigkeiten oder aber auch durch Medikamente und Erkrankungen beeinflusst.




Donnerstag, 16. September 2010

Probleme in der Poebene

Nicht alles was am After juckt, brennt, nässt oder blutet sind Hämorrhoiden. Natürlich möchte man als Betroffene(r) das Problem schnell und möglichst diskret gelöst haben und bedient sich viel zu leichtfertig aus dem reichhaltigen Angebot diverser Salben und Zäpfchen, da falsche Scham daran hindert, sich in ärztliche Behandlung zu begeben.

Für viele Menschen, Ärzte eingeschlossen, ist der After eine unästhetische Taburegion, die schwer zugänglich und daher auch nicht leicht zu beurteilen ist. Knoten, Blutungen oder Juckreiz werden zum Teil ohne Untersuchung auf die Diagnose „Hämorrhoiden“ reduziert, was zu sinnlosen und manchmal auch gefährlichen Medikamentenverordnungen führt. Wahrscheinlich gibt es in keinem Bereich der Medizin so viele enttäuschte, sich selbst behandelnde Patienten wie in der Proktologie und es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen mit Enddarm-Erkrankungen ihre Beschwerden aus falscher Scham jahrelang in Kauf nehmen.

Es geht aber nicht nur um Schamgefühle. Symptome wie Brennen, Juckreiz, Blutabgänge usw. können natürlich auf Hämorrhoiden zurückzuführen sein. Daneben gibt es aber eine Vielzahl von Enddarm-Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, die ohne sachgerechte Behandlung, welche eine exakte Diagnose voraussetzt, schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können. Da gibt es zum einen infektiöse Erkrankungen, die an Sexualpartner weitergegeben werden können und bösartige Veränderungen wie das Anal- und Rektum-Karzinom. Daher gilt:
  • Beschwerden im Analbereich werden nicht immer durch (harmlose) Hämorrhoiden verursacht.
  • Jede Behandlung, auch die Selbstbehandlung, setzt eine Diagnose-Stellung voraus, die nur durch eine adäquate proktologische Untersuchung möglich ist.
  • Riskieren Sie nicht Ihr Leben, indem Sie eine Karzinom-Erkrankung wochen- und monatelang erfolglos mit Hämorrhoiden-Zäpfchen, -Salben und Sitzbädern behandeln.
  • Jeder Blutabgang aus dem After bedarf einer weitergehenden Abklärung!
  • Auch rezeptfreie Medikamente, ja selbst pflanzliche Präparate können bei unkritischer Verwendung schwere Haut- und Schleimhautschäden verursachen.


(c) 2010 Hämorrhoiden und Co.

Stuhlentleerung

Die Stuhlentleerung bezeichnet man medizinisch als Defäkation, was vom Lateinischen faex stammt und so viel wie „Hefe“ oder „Bodensatz“ bedeutet. Der Begriff Stuhlgang rührt vom Leibstuhl her, der im 18. Jahrhundert entwickelt wurde und aus einem Stuhl mit eingebautem Nachttopf bestand. Der Kot wird medizinisch als Faezes bezeichnet.

Durch die Stuhlentleerung wird das Rektum (Mastdarm) entleert und damit die unverdaulichen Nahrungsbestandteile entsorgt. Die Kontrolle über die Defäkation bezeichnet man als Kontinenz, den Kontrollverlust als Inkontinenz. Die Defäkation ist ein hochkomplizierter Vorgang, an dem viele anatomische Strukturen gut aufeinander abgestimmt harmonisch zusammenarbeiten müssen. Das bedeutet aber auch, dass unser Kontinenzorgan sehr anfällig für Störungen ist.

Das Rektum hat dabei die Funktion eines Reservoirs. Hier wird der Stuhl gesammelt und eingedickt. Ab einem Volumeninhalt von 50-70ml kommt es über Dehnungsrezeptoren in der Darmwand reflektorisch zur Erschlaffung des inneren Schließmuskels mit dem Ergebnis, das Stuhl in den Bereich des hochsensiblen Analkanals eintritt. Reflektorisch bedeutet, dass wir die Erschlaffung des inneren Schließmuskels nicht willkürlich steuern können. Den äußeren Schließmuskel hingegen können wir willkürlich steuern; er bleibt weiterhin kontrahiert, wodurch die Kontinenz aufrechterhalten bleibt.

Mit dem Übertritt von Stuhl aus dem Rektum in den Analkanal wird dem Betroffenen signalisiert, ob fester, flüssiger oder gasförmiger Inhalt zur Entleerung ansteht. Diese Situation nehmen wir als Stuhldrang wahr. Nun kann willentlich entschieden werden, ob und in welchem Ausmaß der äußere Schließmuskel entspannt wird, wodurch die Defäkation eingeleitet oder aber auch unterdrückt wird. Zur Entleerung des Rektums benötigen wir noch die muskuläre Bauchpresse, bei der durch das Anspannen der Bauchdeckenmuskulatur der Entleerungsdruck gesteigert wird.

Der Defäkationsreflex kann in gewissem Umfang willkürlich unterdrückt werden. Geschieht das häufig, so wird die Schwelle für den Reflex erhöht, wodurch zu seiner Auslösung eine stärkere Füllung des Rektums erforderlich ist. Auf dieser Grundlage kann sich ein träger Stuhlgang mit Obstipationsbeschwerden entwickeln. 

 

Sonntag, 12. September 2010

Der Ort des Geschehens: unser Enddarm

Unser Dickdarm hat eine Länge von 1,20 bis 1,50 Meter und zieht rahmenförmig durch unsere Bauchhöhle. Der untere Abschnitt ist der Mastdarm (Rektum), der zwischen 15 und 20 cm lang ist und sich tief unten in unserem Becken befindet. Er ist sehr dehnungs- und erweiterungsfähig und sammelt den Darminhalt bevor er dann schließlich ausgeschieden wird. Das Rektum zieht durch den Beckenboden und wird unterhalb des Beckenbodens als Analkanal bezeichnet dessen unteres Ende der Anus ist.



Der je nach Konstitution des Menschen 3 bis 6 cm lange Analkanal ist im oberen Drittel noch mit empfindungsloser Darmschleimhaut, in den beiden unteren Dritteln von dünner, außerordentlich empfindlicher, trockener Haut ausgekleidet, die in die äußere Haut übergeht. Diese äußere, perianale Haut ragt in das Ende des Analkanals hinein, trägt Haare, Talg- und Schweißdrüsen. Den Übergang der Schleimhaut-Hautzone des Analkanals kennzeichnet die reißverschlussartig aussehende Linea dentata. Hier befinden mehrere anatomische Strukturen, die zu unterschiedlichen Erkrankungen führen können. Zum einen finden sich hier mehrere Längsfalten, die sich leicht vorwölben. Die Vorwölbungen entstehen durch unter der Schleimhaut bzw. Haut verlaufende Gefäßknäueln, die aus Arterien und Venen bestehen, die knötchenförmige Verbindungen aufweisen. Diese Gefäßknäuel wirken als Schwellkörper (Corpus cavernosum recti oder Hämorrhoidalplexus), der dem Analverschluss dient und spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Hämorrhoiden.


Rot gekennzeichnet ist die Region der unter der Schleimhaut befindlichen Blutgefäße, die an der Entstehung von Hämorrhoiden maßgeblich beteiligt sind.

Ebenfalls am Übergang Schleimhaut-Analkanalhaut befinden sich nach innen offene Hauttaschen, die sog. Analkrypten, die Ausgangspunkt für Entzündungen und Fistelbildungen sein können. Ebenfalls in dieser Zone befinden sich merkwürdige Drüsen, die sog. Proktodäaldrüsen., die nur bei 75% der Menschen nachweisbar sind. Bei Männern findet man sie häufiger als bei Frauen. Vermutlich haben sie überhaupt keine Funktion mehr und stammen noch aus der Zeit, in der unsere Vorfahren auf allen Vieren herumliefen und ein Schwänzchen trugen. Allerdings sind sie die Quelle der meisten Infekte um den Anus herum.

Zum Analverschluss gehören die sog. Schließmuskeln, von denen wir zwei haben: den inneren und den äußeren. Der innere Schließmuskel, Musculus sphincter ani internus, besteht aus einer etwa 2 cm langen Verdickung der Muskelschicht des Dickdarmendes. Der äußere Schließmuskel, Musculus sphincter ani externus, ist wie eine Manschette dem inneren Schließmuskel aufgesetzt. Neben den beiden „klassischen“ Schließmuskeln gibt es noch einen weiteren Muskel mit Schließfunktion, der schlingenartig hinter dem Dickdarmende vorbeizieht, der Musculus levator ani, der den Mastdarm sozusagen nach vorne zieht. Alle Schließmuskeln stehen unter einem Dauertonus und werden erst beim Stuhlgang (Defäkation) entspannt. Sie dienen der Grobabdichtung des Analkanals, während die Gefäßknäuel für die Feinabdichtung zuständig sind. Feinabdichtung heißt, dass trotz Anspannung der div. Schließmuskel Gase den Analkanal verlassen können, ohne dass Stuhl mit austritt.

Zum sog. Kontinenzorgan gehören somit:
  • der Mastdarm
  • der Anus mit seiner hochsensiblen Analhaut
  • der innere Schließmuskel, der 80% der Schließkraft übernimmt und dessen Tonus wir nicht willkürlich beeinflussen können
  • der äußere Schließmuskel, den wir als einzigen Muskel willkürlich beeinflussen können
  • der Levatormuskel
  • der Corpus cavernosum recti
  • Nerven